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Das Wichtigste über Prostatakrebs

Das Prostatakarzinom geht von normalen Prostatazellen aus und entsteht meist in der Außenschicht der Prostata. Oft kann Prostatakrebs frühzeitig entdeckt und damit effektiv therapiert werden. Aber auch metastasierte Tumore können mittlerweile immer besser behandelt werden.

Ursache und Risikofaktoren

Die genaue Ursache für Prostatakrebs ist unklar. Die drei Risikofaktoren Alter, Herkunft und familiäre Belastung sind allerdings bekannt. Mit steigendem Lebensalter steigt die Inzidenz des Prostatakarzinoms (S3-Leitlinie: Alter ist der wichtigste Risikofaktor). Daneben spielt sowohl die Herkunft (höhere Inzidenz in der afrikanischen Bevölkerung) und der Lebensstil eine Rolle. Eine fleischreiche, vitaminarme Kost sowie Bewegungsmangel können die Entwicklung von Prostatakrebs fördern. Dagegen haben eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung einen positiven Effekt auf die Krebsentstehung. Männer mit erkrankten Verwandten haben ein höheres Risiko für das Auftreten und erkranken meist etwa 10 Jahre früher an Prostatakrebs. Diese genetischen Komponenten sind oft Mutationen im BRCA Gen, ein Gen, das durch Brustkrebs bekannt geworden ist. Daneben spielen auch Hormone (z.B. Sexualhormone) und die Lebensführung eine Rolle.

Wie häufig ist Prostatakrebs?

Der Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern und betrifft jeden 8. Mann im Laufe seines Lebens. Derzeit gibt es 65.000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland und in den kommenden Jahren wird diese Inzidenz weiter zunehmen. Die Erkrankung betrifft überwiegend Männer über 50 Jahre. Bei Erstdiagnose sind Männer im Durchschnitt 72 Jahre alt. Allerdings können auch jüngere Männer erkranken, oft haben diese weitere Krebserkrankungen in der Familie. Bei diesen Patienten mit familiärer Belastung ist es besonders wichtig den Krebs frühzeitig zu erkennen, um schwere Verläufe zu verhindern. Insgesamt ist Prostatakrebs bei früher Diagnose heilbar und hat oft eine sehr gute Prognose.

Diagnose & Vorsorge

Symptome

Frühe Symptome sind bei dieser Erkrankung selten. Im fortgeschrittenen Stadium kann es allerdings zu Blut im Urin, Problemen beim Wasserlassen oder Knochenschmerzen (Knochenmetastasen) kommen. Da spezifische Frühsymptome fehlen, ist eine gute Vorsorge beim Urologen essentiell.

Vorsorge

Zur Vorsorgeuntersuchung des Mannes für den Prostatakrebs gibt es verschiedene diagnostische Mittel. Die digital rektale Tastuntersuchung (DRU) und die Bestimmung des PSA Wertes dient dem Screening und sind fest in der Leitlinie verankert. Zur weiteren Diagnostik dienen die Sonographie, wobei die Prostata am besten im transrektalen Ultraschall (TRUS) zu sehen ist.

Gesetzlich Versicherte: Ab dem 45. Lebensjahr steht jedem Mann durch gesetzlichen Anspruch eine jährliche Krebsvorsorgeuntersuchung beim Urologen zu. Dabei wird die rektale Tastuntersuchung von der Krankenkasse übernommen. Hierbei können Verhärtungen der Prostata erkannt werden, wobei diese aber oft erst im fortgeschrittenen Stadium tastbar sind. Daher ist eine zusätzliche PSA Bestimmung zur Früherkennung eines Krebsleidens sinnvoll.

PSA

Bei welchem PSA Wert weiter abklären?

Eine Abweichung des PSA Wertes vom Referenzwert stellt  einen Verdacht auf ein Krebsgeschehen da und muss weiter abgeklärt werden. 

Eine weitere Abklärung sollte eingeleitet werden bei:

  • kontrollierter PSA-Wert von ≥ 4 ng/ml bei der erstmaligen Vorsorgeuntersuchung unter Berücksichtigung von Einflussfaktoren;
  • karzinomverdächtiges Ergebnis bei der digital-rektalen Untersuchung;
  • auffälliger PSA-Verlauf (ohne Wechsel des Bestimmungsverfahrens).

Zur weiteren Abklärung bei Krebsverdacht werden das MRT sowie die transrektale Sonographie gesteuerte Prostatastanzbiopsie eingesetzt.

Wann bei unauffälligen PSA Werte Messung wiederholen:

Wenn es keine Indikation zur Biopsie gibt, sollten weitere Kontrollen abhängig von deinem PSA-Wert und Alter durchgeführt werden

  • PSA < 1 ng/ml: Intervall alle 4 Jahre
  • PSA 1-2 ng/ml: Intervall alle 2 Jahre
  • PSA > 2 ng/ml: Intervall jedes Jahr

Für Männer über 70 Jahre und einem PSA-Wert < 1ng/ml wird eine weitere PSA- gestützte Früherkennung nicht generell empfohlen.

TIPP: Die von uns gezeigten Werte stellen Leitlinien dar. Individuell kann hiervon abgewichen werden. Wenn du das Intervall mit deinem Urologen festlegst, berücksichtigt dieser auch weitere Risikofaktoren oder Einflussfaktoren.

Was kann meinen PSA Wert verfälschen

Niedriger PSA

  • 5-a-Reduktasehemmer (z. B. Finasterid, Dutasterid), werden häufig zur Therapie bei benigner Prostatahyperplasie eingesetzt. Diese Medikamente können deinen PSA Wert senken, weshalb hier bei niedrigeren Werten aufgepasst werden muss.

Erhöhter PSA

  • Entzündung der Prostata, Fahrradfahren oder Geschlechtsverkehr kann z. B. zu einer Erhöhung des PSA Wertes führen


MRT

Die Prostate Imaging Reporting and Data System (PI-RADS) Klassifikation ist eine standardisierte Auswertung deines MRTs und gibt an, wie wahrscheinlich ein Karzinom vorliegt. Es wird ein multiparametrisches MRT (mp-MRT) eingesetzt, das deine Prostata in verschiedenen Techniken untersucht. Dein Radiologe wertet dieses MRT strukturiert nach PI-RADS aus.

Ein bösartiger Tumor der Prostata liegt bei dir höchstwahrscheinlich nicht vor. Du solltest deine Vorsorge normal fortsetzen. Eine Biopsie wird nur individuell bei klinischem Verdacht durchgeführt.

Bei dir liegt ein kontrollbedürftiger Befund vor. Aktuell schlägt die Leitlinie vor, auch PI-RADS 3 Läsionen gezielt zu biopsieren.

Bei dir liegt der Verdacht für ein Prostatakarzinom vor. Dein Befund sollte auf jeden Fall per Biopsie weiter abgeklärt werden.

Bei dir liegt der hochgradige Verdacht für ein Prostatakarzinom vor. Es sollte auf jeden Fall eine weitere Abklärung zum Beispiel mittels Biopsie erfolgen.

Bei auffälligem MRT (PIRADS 3-5) oder bei deutlich erhöhtem PSA zur Diagnosesicherung sollte eine Biopsie der Prostata erfolgen.

Biopsie: Bei einer Prostatabiopsie werden klassischerweise über den Enddarm Proben direkt aus der Prostata entnommen (transrektale Biospie). Der Außenbereich der Prostata ist hier am besten zu erreichen und bildet am häufigsten bösartige Tumore. Eine alternative ist die perineale Biospie, bei der die Biopsien durch den Damm (Bereich zwischen After und Hodensack) entnommen werden.

Bei beiden Verfahren sollte eine systematische Biopsie erfolgen. Das bedeutet, dass aus allen Bereichen der Prostata nach einem festen Schema Proben genommen werden.

Biopsie

Mit einer Biopsie deiner Prostata kann die Diagnose "Prostatakrebs" gesichert werden. Bei einer Prostatabiopsie werden klassischerweise über den Enddarm Proben direkt aus der Prostata entnommen (transrektale Biospie). Der Außenbereich der Prostata ist hier am besten zu erreichen und bildet am häufigsten bösartige Tumore. Eine Alternative ist die perineale Biospie, bei der die Biopsien durch den Damm (Bereich zwischen After und Hodensack) entnommen werden.

Fusionsbiopsie: Hierbei wird gezielt in im MRT auffällige Gebiete biopsiert. Dieses Verfahren erhöht die Wahrscheinlichkeit, einen Tumor zu treffen.

Die entnommenen Gewebeproben können von Pathologen untersucht werden. So kann die Agressivität deines Tumors (Gleason-Score), der genaue Subtyp, sowie die prozentuale Verteilung und Lokalisierung innerhalb der Prostata bestimmt werden.

Ablauf

Eine Biospie sollte immer mit antibiotischer Prophylaxe durchgeführt werden sowie mindestens eine lokale Anästhesie benutzen.

Wann die Biopsie innerhalb von 6 Monaten wiederholen

  • ausgedehnte High-Grade-PIN (Nachweis in mindestens 4 Gewebeproben)
  • Atypical Small Acinar Proliferation (ASAP)
  • isoliertes intraduktales Karzinom der Prostata (IDC-P)
  • suspekter PSA-Wert bzw. PSA-Verlauf.


Staging

Abhängig von deinem individuellen Risiko werden nach Sicherung der Diagnose Prostatakarzinom durch die Biopsie zusätzliche Untersuchungen durchgeführt. So soll untersucht werden, ob der Tumor bereits gestreut hat (metastasiert ist).

Computertomographie (CT) des Beckens: Ein CT der Beckenorgane sollte erfolgen bei

  • Gleason-Score ≥ 8 oder 
  • nicht mehr auf die Prostata beschränktes Tumorwachstum 


Skelettszintigramm: Diese Untersuchung kann Stellen in Knochen mit erhöhter Stoffwechselaktivität sichtbar machen. Solche Stellen sind metastasenverdächtig. Eine Szinti sollte bei einem 

  • PSA> 10 ng/ml, 
  • Gleason-Score ≥8, 
  • einem Tumor, der die Kapsel überschreitet oder bei 
  • Knochenschmerzen durchgeführt werden.

Therapie

(Zur individuellen Behandlung des Prostatakrebses muss zunächst der Tumor nach seinem Stadium eingeteilt werden. Dabei wird ein aggressiver Tumor von einem weniger aggressiven Tumor mit Hilfe des Gleason Scores durch den Pathologen eingeteilt. Auch wird zwischen lokalisierten Prostatakrebs und metastasierten Prostatakrebs unterschieden. Ein metastasierter Prostatakrebs hat sich bereits über die Blut- und Lymphgefässen im Körper ausgebreitet und zu Tochtergeschwülsten (Metastasen) geführt. Dies kann in einer Bildgebung (z.B. MRT, CT, Skelettzintigramm) festgestellt werden.)

Für das auf die Prostata begrenzte Prostatakarzinom bieten sich verschiedene Behandlungsmethoden an. Dabei entscheidet man individuell anhand von Patienten Faktoren (Alter, Vorerkrankungen, Beschwerden, Bevorzugung eines Verfahrens) und klinischer Parameter (Ausdehnung des Tumors, Gleason-Score, PSA-Wert). Eine pauschale Einschätzung, welche Therapie sich am besten eignet, gibt es von wissenschaftlicher Seite im Moment noch nicht und es gibt ständig Neuerungen.

Folgende Therapieoptionen gibt es:

Bei der radikalen Prostatektomie wird die Prostata zusammen mit den Samenblasen komplett entfernt. Häufig werden zusätzlich Lymphknoten im kleinen Becken entfernt. Die Operation kann sowohl offen, als auch mit einem Operationsroboter durchgeführt werden.
> offene Operation > Robotische Operation

Die Prostata wird von außen mit hohen Strahlendosen bestrahlt. Für die Therapie gehst du als Patient über 6 Wochen jeden Wochentag zur Bestrahlung.

Eine aktive Überwachung kann mit deinem Urologen besprochen werden, wenn bei dir ein wenig aggressives Prostatakarzinom vorliegt.

Es wurden in den letzten Jahren viele neue Therapieoptionen ausprobiert. Viele dieser neuen Verfahren versuchen weniger aggressiv als eine Operation oder Bestrahlung vorzugehen, können aber oft nur bei wenig aggressiven Prostatakarzinomen eingesetzt werden.
> Brachytherapie >HiFU > TOKAAD > Cyberknife

Rehabilitation

Damit du nach einer Prostataoperation wieder dein volles Leistungsvermögen erlangst und Komplikationen wie erektile Dysfunktion oder Inkontinenz vorgebeugt werden, ist eine Rehabilitation wichtig. Die aktuelle Fachliteratur schlägt vor, diese Rehabilitation jedoch bereits vor der Operation zu beginnen, um postoperative Probleme nicht erst im Nachhinein zu behandeln sondern direkt präventiv zu begegnen.

Etabliert in Deutschland ist die Anschlussheilbehandlung, die es Patienten ermöglicht, zentrale Punkte der Rehabilitation in 2-3 Wochen zu erlernen. Sozialberater werden während des stationären Aufenthaltes dich zu den Angeboten informieren. Ein moderner Ansatz ist die digitale Rehabilitation, die auch bereits vor deiner Operation beginnt und dir in deinem Alltag nach der Operation mehr Flexibilität  ermöglicht. 

Ziel der Rehabilitation:

Im Zentrum der Rehabilitation steht die körperliche und psychische Wiederherstellung des Zustandes vor der Operation. Inkontinenz steht auf Grund der Verschlechterung der Lebensqualität und verminderten Teilhabe am öffentlichen Leben im Fokus sowie die erektile Dysfunktion, die vor allem das Privatleben stark beeinträchtigen kann.


Wie sieht die Prognose aus?

Der lokalisierte Prostatakrebs zeigt eine gute Heilungschance mit 85%. Diese kann je nach Aggressivität und Stadium des Tumors abweichen. Ein metastasiertes Prostatakarzinom dagegen kann leider nicht vollständig geheilt werden, hier wird die sogenannte Palliative Therapie eingesetzt. Dabei soll eine gute Lebensqualität möglichst lange erhalten bleiben und Komplikationen verhindert werden.


Nachsorgeintervall

Nach deiner Operation entscheidet ein interdisziplinäres Tumorboard, wann deine erste Kontrolle stattfinden soll.

Bei Risikofaktoren sollte bereits nach 6 Wochen die erste PSA Kontrolle stattfinden. Ansonsten wird folgendes Schema benutzt:

1. und 2. Jahr: alle drei Monate den PSA-Wert bestimmen lassen

3. und 4. Jahr: alle sechs Monate Bestimmung des PSA-Wertes

ab dem 5. Jahr: Einmal im Jahr den PSA-Wert messen lassen.

Eine Tastuntersuchung (digitale rektale Untersuchung) ist nicht notwendig – sofern der PSA-Wert sich nicht verändert und stabil bleibt.

Fortgeschrittenes Prostatakarzinom

Für das metastasierte Prostatakarzinom gibt es verschiedene Therapieansätze, welche sich von der Therapie des lokalisierten Prostatakrebses wesentlich unterscheiden. Es konnte bisher nicht nachgewiesen werden, dass der Patient von einer Therapie des Primärtumors profitiert. Daher steht die ganzheitliche Therapie im Vordergrund, um die im Körper verteilten Tochtergeschwülste (Metastasen) anzugreifen. Die Behandlungsoptionen sind sogenannte Systemtherapien. Man unterscheidet zwischen Hormontherapie, Chemotherapie, Ligandentherapien und molekular gerichteten Therapie beim fortgeschrittenem  Prostatakarzinom.


Therapien

Antihormonelle Therapie: Prostatakrebs wächst abhängig von Testosteron. Antihormonelle Therapien unterscheiden zwischen einer Basistherapie mit Lnrh Antagoinisten oder Agonisten und einer sekundären antihormonellen Therapie wie Abiraterone, Enzalutamid oder Apalutamid.

> Basishormontherapie
> Erweiterte antihormonelle Therapie

Chemotherapie: Einige Patienten mit Organmetastasen kommen für eine Chemotherapie direkt bei Diagnosestellung oder mit niedrigere Symptomlast bei fortgeschrittenen Prostatakarzinom in Frage.

Ligandentherapie: Nach mehreren Vortherapien kommt Lutetium-Ligandentherapie oder Actineum-Ligandentherapie für Patienten in Frage. Diese Spezialtherapien funktionieren wie eine innere Bestrahlung.

Neue Therapien: Die neuesten Medikamente können nach genetischer Untersuchung von Tumorgewebe eingesetzt werden. So kann zum Beispiel Olaparib bei Patienten mit BRCA1/2 Mutation wie beim Brustkrebs eingesetzt werden.

> Mehr zu Olaparib

Weitere Infos

Selbsthilfegruppen

Neben deinem Urologen kannst du dir auch von anderen Patienten, die die gleiche Erkrankung wie du haben, Hilfe holen. Diese Selbsthilfegruppen können so ein effektiver Bestandteil deiner Behandlung werden.

Mehr erfahren

Wichtige Links

Unsere Empfehlungen beruhen auf klinischer Erfahrung und aktuellen Leitlinien. Leitlinien erklären oft komplexe Empfehlungen nicht so einfach wie Uroletics, werden aber von deinem Urologen genutzt, um dir die richtige Empfehlung zu geben:

Die Prostata-App

Uroletics ist die erste speziell für Männer entwickelte Therapie-App rund um deine Prostataoperation

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